Über die große Leichhardt-Expedition quer durch Queensland und weiter durch Australien gibt es bedeutend mehr als nur Leichhardts rätselhaftes Verschwinden zu berichten, wie Robin Kleinschmidt und andere ausführen. Der folgende Artikel wurde im Oktober 2012 im Buch ʻQueensland’s German Connections’ veröffentlicht und wir danken dem Träger des Buches, dem German Australian Community Centre Qld. Inc. (GACCQ), für die Erlaubnis zum Wiederabdruck.

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Der Platz des Naturforschers und Entdeckers Ludwig Leichhardt in der Geschichte Australiens ist durch die lokale Namensgebung ein permanenter geworden: Ein Stadtteil in Ipswich, ein Stadtteil und ein Verwaltungsbezirk in Sydney, Straßen in Brisbane, Sunbury in Victoria und in Bull Creek in Western Australia, dazu Highways, Flüsse, Gebirgszüge, ein Wahlbezirk und ein Nationalpark sind nach Ludwig Leichhardt benannt und erinnern so an den Forscher und Entdecker.

Für viele ist Leichhardt zum Begriff geworden als der Forscher, der auf seiner dritten Expedition quer durch Australien mitsamt seinem Tross verschwunden ist. Was aber wissen wir wirklich über den Mann, bevor er verschwand?

Als vierter Sohn und das sechste von acht Kindern wurde Ludwig Leichhardt 1813 in Trebatsch (Brandenburg), ca. 150 km südöstlich von Berlin, geboren. Zwischen 1831 und 1836 studierte er Philosophie, Sprachen und Naturwissenschaften an den Universitäten Berlin und Göttingen, ohne aber einen akademischen Grad zu erlangen. Neben Philosophie und Sprache galt sein Hauptinteresse der Erforschung der Natur, und er setzte seine Studien, erweitert durch Feldforschung in Italien, Frankreich und der Schweiz, in London und Paris fort.

Auf die Empfehlung eines englischen Kollegen hin segelte Leichhardt nach Australien und landete dort im Februar 1842. Sein Hauptziel war es, Flora, Fauna und die Geologie des Landes zu erforschen. Nach einer ersten Reise ins Hunter Valley unternahm er eine Solo-Expedition, um zwischen Newcastle und Moreton Bay Spezies zu sammeln.

Als Leichhardt 1844 nach Sydney zurückkehrte, bestanden auf Seiten der Regierung Pläne, eine Expedition von Moreton Bay nach Port Essington im Norden des heutigen Northern Territory ins Leben zu rufen. Diese Pläne kamen jedoch zu nichts, weshalb Leichhardt, unterstützt von Freiwilligen und von privater Seite finanziert, seine eigene Expedition zusammenstellte. Die Regierung, die nach wie vor daran interessiert war, einen Überlandweg nach Norden zu etablieren und eine Verbindung nach Singapur, gab ihre Unterstützung, ohne jedoch einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Im August 1844 segelte Leichhardts Tross nach Moreton Bay, wo Leichhardt die Gossner Missionare in Zion Hill (German Station) besuchte und sich positiv über ihre Hingabe, ihre Integrität und ihren nüchternen Lebensstil äußerte. Die Gruppe reiste danach zur Jimbour Station auf den nördlichen Darling Downs – 1844 die äußerste Grenze weißer Besiedlung – , wo ein letztes Kontingent von vier Männern dazu stieß.

Mit dem Aufbruch am ersten Oktober verzeichnen Leichhardts Tagebücher detailliert und ausführlich diese Entdeckungsreise monumentalen Ausmaßes: Mehr als 3.000 Meilen (4.800 km) durch ein Land, das den Europäern fast gänzlich unbekannt war. Zum Zeitpunkt ihres Eintreffens in Port Essington, über 14 Monate später, am 17. Dezember 1845, galt die Expedition bereits als ʻverschollenʼ. Leichhardt hatte eine der längsten Entdeckungsreisen in der europäischen Geschichte Australiens unternommen und wurde bei seiner Rückkehr als Held empfangen; seine Entdeckung von weit ausgedehntem fruchtbarem Weideland verursachte in der ganzen Kolonie große Begeisterung.

Ein Jahr später brach Leichhardt erneut auf: Im Dezember 1846 verließ er Morton Bay. Diese Expedition, wiederum privat getragen, fand ergänzende finanzielle Unterstützung der Regierung; die optimistische Absicht war, den Kontinent in Ost-West-Richtung zu durchqueren, von den Darling Downs zur Siedlung am Swan River, Perth. Auf Grund mehrfacher Schwierigkeiten – flutartige Regenfälle, schwindende Vorräte und malariaartige Fiebererkrankungen – kehrte die Expedition jedoch nach sieben Monaten, im Juni 1847, um; sie war lediglich 800 km ins Landesinnere vorgedrungen.


Gesundheitlich wiederhergestellt unternahm Leichhardt auf den westlichen Darling Downs und darüberhinaus eine weitere ausgedehnte Expedition, bei der er den Verlauf des Condamine Rivers verfolgte und einen großen Abschnitt bis dahin unbekannten Landes verkartete. Die sorgfältige Dokumentation seiner Reisen und seine wissenschaftlichen Ergebnisse brachten ihm Anerkennung in Europa.

Wie Leichhardt bei seiner Rückkehr bekannt wurde, war er einer von zwei Forschern, denen die Société de Géographie in Paris ihre Auszeichnung für das Jahr 1847 verliehen hatte. Für seine Expedition nach Port Essington wurde ihm für das so “vermehrte Wissen über den großen Kontinent Australien” auch die Patron’s Medal der Royal Geographical Society, London, verliehen. Diese Medaille ist jetzt im Besitz des National Museum of Australia.

Noch immer glaubte Leichhardt daran, den Kontinent durchqueren zu können. Im März 1848 brach er ein weiteres Mal vom Condamine River auf, und der Aufbruch am dritten April von der Coogan Station in Maranoa sollte das letzte Zeugnis von Leichhardt und seinem Tross sein.

Mehrere von Seiten der Regierung über einen Zeitraum von etlichen Jahren hinweg unternommene Expeditionen, das Rätsel zu lösen, blieben erfolglos. Die einzigen Anhaltspunkte, mit deren Hilfe eine ungefähre Reiseroute etabliert werden konnte, waren verschiedene Bäume, die mit einem ʻL’ markiert waren, einer davon ganz im Norden, am Flinders River, nahe des Golfs von Carpentaria.

Das Rätsel von Leichhardts Schicksal hielt auch noch die Köpfe späterer Forschergenerationen beschäftigt: 50 Jahre später, im Jahr 1896, traf David Carnegie bei seiner Expedition durch die Gibson Desert und die Great Sandy Desert auf Aborigines, in deren Besitz sich ein Zeltpflock aus Eisen, der Deckel einer Streichholzschachtel aus Blech sowie verschiedene Sattelbestandteile aus Eisen befanden. Carnegie vermutete, all dies stamme von Leichhardts Expedition.

Im Jahr 1900 gab ein weiteres Indiz einen Anhaltspunkt. Ein Stockman der Aborigines fand in der Nähe von Sturt Creek, nahe der Grenze zwischen den States Western Australia und dem Northern Territory, ein wenig östlich von der Great Sandy Desert, eine abgebrannte Schrotflinte, über die unteren Zweige eines Baobab-Baum gehängt, mit einer Kupferplakette und der Inschrift ʻLudwig Leichhardt 1848’: Der Baum hatte im Stamm ein ʻL’ eingeritzt. Die Abfolge dieser Anhaltspunkte und Indizien legt zusammengenommen die Vermutung nahe, dass Leichhardt dem Weg seiner ersten Expedition im Groben gefolgt ist, sich zuerst westlich haltend, nach Queensland dann südwestlich und durch das Top End.

Leichhardts Ruf als heldenhafter Naturforscher hatte nach Abbruch seiner zweiten Expedition von seinem Glanz ein wenig eingebüßt, und das Rätsel seines Verschwindens erlaubte es den Kritikern im Lehnstuhl, Überlegungen anzustellen: hinsichtlich der Qualität seines Charakters, seiner Kenntnisse und Fähigkeiten zum Überleben in der Wildnis, hinsichtlich seiner Führungsqualitäten. Der australische Schriftsteller Dan Sprod stellt die zweite Unternehmung in einen angemesseren Zusammenhang, wenn er schreibt (1994):

“Leichhardts Entscheidung, im Oktober aufzubrechen war nicht die beste, aber Wetterbeobachtungen, die ihm als Richtlinien hätten dienen können, standen um 1840 kaum zur Verfügung. Die starken Regenfälle waren wohl nicht die Ursache des Fehlschlagens der Expedition, aber zusammen mit der nicht sehr klug getroffenen Auswahl an Vorräten und Ausrüstungsgegenständen erschwerten sie deren Vorankommen, und der physische Aufwand, Verlorengegangenes wiederaufzufinden und im Sumpf Steckengebliebenes herauszuziehen, trug vermutlich mit dazu bei, die allgemeine Widerstandskraft gegen Krankheiten herabzusetzen.

Leichhardts Entscheidungen bezüglich Güter und Transportmittel waren von der nicht-offiziellen Natur des Unternehmens, den finanziellen Beschränkungen und der Voraussicht bestimmt, dass die Expedition von langer Dauer sein werde. Er versäumte es, genügend Medikamente mitzuführen, aber auch wenn mehr Medikamente mitgenommen worden wären, steht zu vermuten, dass sie von keinem großen Nutzen gewesen wären. ...

... und die Expedition wäre ohne wiederkehrende Fieberanfälle, denen Leichhardt keinerlei Möglichkeiten hatte Herr zu werden, weiter vorangestoßen. Die Krankheit wurde von Moskitos übertragen und war vermutlich Denguefieber. Nicht nur, dass es den Teilnehmern der Expedition physisch unmöglich wurde, die Expedition fortzusetzen, weil sie krank waren, Vorräte und Ausrüstungsgegenstände, die für Verlauf und Dauer der ganzen Expedition gedacht waren, mussten bereits zu einem frühen Zeitpunkt eingesetzt werden.”


Es bestehen nur wenig Zweifel, dass Leichhardt von den früheren Expeditionen gelernt hatte, und Simpson (1997) bemerkt “er hatte eine einfache, aber für ihre Zeit nichtsdestoweniger radikale Philosophie: Wo die Urbevölkerung des Landes von dem, was die Natur zur Verfügung stellte, leben und gedeihen konnte, konnten er und sein Tross es ebenfalls. ... Nichts von dem, was wuchs, schwamm, kroch, hüpfte, rannte oder flog entging seinem prüfenden Blick. Seine Kenntnis der Botanik war von unschätzbarem Wert, und die Neugier des Wissenschaftlers verband sich bei ihm mit der Bereitschaft, jedwedes auszuprobieren.”

Er lernte was immer er konnte von den Aborigines, auf die er stieß: Er analysierte ihre Nahrung und ihre Methode der Zubereitung und war von den einheimischen Pflanzen und Früchten, die sie verzehrten, begeistert. Simpson hebt darauf ab, dass keiner der Teilnehmer von Leichhardts vierzehnmonatiger Expedition nach Port Essington der Skorbut erlag – im Unterschied zu Charles Sturt’s zur gleichen Zeit von Adelaide aus unternommenen Expedition, bei der alle Teilnehmer an Skorbut schwer erkrankten, einer sogar daran starb. Leichhardt fand heraus, dass ein spinatähnliches Gewächs, das den Namen “Fat Hen” [Chenopodium Album] hatte, ein “vorzügliches Gemüse” abgab und der effizienten Skorbut-Vorbeugung diente.

Wenn Leichhardt auch primär als einer der großen Entdecker in Erinnerung geblieben ist, seine vörderste Motivation war die wissenschaftliche Erforschung. Seine während der großen Überlandexpedition verfassten Tagebücher geben einen fesselnden Einblick in die Gründlichkeit und Sorgfalt, mit denen er seine Erkundungen durchführte, – und ebenso in die logistischen Herausforderungen, das Vorankommen seiner Truppe sicherzustellen und aufrechtzuerhalten. Nahrung, Wassser und Obdach für Mensch und Tier waren tägliche Belange und Leichhardt selbst unternahm mehr als vierzig Aufklärungsritte und kundschaftete rund um den Trupp oder ihm voraus; dabei dokumentierte er Funde, zeichnete Karten und notierte alles, was ihm begegnete oder was er beobachtete, geologischer, zoologischer oder botanischer Art.

Leichhardt bleibt nach wie vor eine enigmatische Gestalt, was aber immer die Wahrheit sein mag, seine Errungenschaften sind unbestritten und sie sind bemerkenswert. Leichhardts “Geschichte” wurde zur Inspiration für Patrick Whites Roman ʻVoss’ und in der Folge für Richard Meales Oper, die auf dem Roman basiert.

Es ist nur angebracht, dass der Name Leichhardt in Australien im täglichen Gebrauch in Erinnerung bleibt, Verbindung zu den vielen Namen von Flüssen, Bergen, Sachen und Gegenständen, von Leichhardt nach Freunden, Förderern und Anhängern in der Kolonie, die ihm ihre Unterstützung gegeben hatten, benannt: Leichhardt hat so eine nicht zu löschende Spur in der Geschichte und Entdeckung dieses Landes hinterlassen – so und auf viele andere Weise.

Translation by Dr Isolde Neugart MBA PhD

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