Männer mit Beobachtunsgabe, Intellekt und Einfühlungsvermögen waren zur Zeit der frühen Kolonialisierung Australiens nicht gerade typisch und noch viel weniger waren es Verfasser von Tagebüchern, die uns ihre Eindrücke, sorgfältig zu Buch genommen, hinterließen. Das in Vergessenheit geratene Manuskript musste ans Tageslicht und ich hatte jetzt die selbstgestellte Aufgabe, einen Übersetzer zu finden! 

Ich ließ mir eine Kopie des Mikrofilms geben und zeigte ihn einem Bekannten, der Deutsch spricht. Der konnte das Potential des Materials durchaus sehen, hatte aber den Verstand, sich auf eine Aufgabe von solcher Größe nicht einlassen zu wollen. Ich ging zum Deutschen Club in Brisbane, schaffte es, ausgezeichnetes Bier zu trinken, musste jedoch nach Hause wanken, ohne dem Ziel einen Schritt näher gekommen zu sein. Ich wandte mich an die lutherischen Schulen mit der Bitte um Rat, aber ohne eine finanzielle Gegenleistung war dort verständlicherweise niemand an einer solch enormen Aufgabe interessiert.

Es war dann mein Vater, der von Tom Darragh erfuhr. Tom ist ein emeritierter Paläontologe, Museum Melbourne, der das Wort ʻRuhestandʼ im üblichen Sinn nicht kennt, indem er nach wie vor seinen wissenschaftlichen Interessen nachgeht – als deren eines ʻFrühe deutsche Wissenschaft in Australienʼ! Toms unmittelbare Reaktion war dieselbe wie die meine: Wie konnte da noch etwas von Leichhardt da sein, und dazu etwas Geschriebenes von solchem Umfang?

Als ich ihn dann überzeugt hatte, dass es sich hier um einen historisch bedeutsamen Schatz handelte, der darauf wartete, ans Licht des Tages gebracht zu werden, war Tom bereit, die Aufgabe zu übernehmen.

Im Lauf der nächsten zwei Jahre erhielt ich dann von Tom ab und zu die Nachricht, die Arbeit mache Fortschritte. Aber ansonsten hatte ich keine wirkliche Vorstellung von der Größe der Unternehmung – bis dann größere Portionen der Tagebuch-Übersetzung durch den Draht kamen. Es war eine spannende Zeit, als ich so Mitglied einer höchst exklusiven Gesellschaft wurde, bestehend aus Leichhardt, Colin Roderick, vermutlich Patrick White (als er für ʻVossʼ recherchierte) und Tom natürlich – wir die einzigen, die dieses Material gesehen und gelesen hatten.

Die Tagebücher enthüllen Leichhardts Eindrücke von den Menschen und den Ereignissen, mit denen er konfrontiert wurde (darunter die bezüglich der eben flügge gewordenen kolonialen Gesellschaft), welche unverkennbar ihre Spuren im modernen Australien hinterlassen haben. Das Weideland an der Front der Besiedlung, durch das er reiste, wird in leuchtenden Farben als Ort extrem harter physischer Bedingungen dargestellt und als Ort brutaler Auseinandersetzung zwischen Urbevölkerung und den in das Gebiet eindringenden Siedlern. Für die Aborigines sind dies wichtige Dokumente in Bezug auf Kultur und Herkunft, einschließlich tragischer Berichte des Ausgangs der Kollision von Kulturen.

Die Tagebücher sind voll von Ausdrücken aus den Sprachen der Aborigines und bringen Einzelheiten von Sprachen, die zu existieren aufgehört haben und längst vergessen worden sind, wieder zum Vorschein. Wie sehr Leichhardt involviert war, davon zeugt ein 5-monatiger Bericht aus der Zeit, in der er mit Aborigines lebte und durch das Land zog.

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